2026 wird Schlüsseljahr für deutsche Energiewende
Diesel kostet 2,31 Euro im Schnitt, E10 liegt bei 2,08 Euro. Was steckt hinter diesen Zahlen? Die EEG-Novelle 2026 stellt die Weichen für unsere Energieversorgung neu – mit Folgen für jeden Autofahrer.
2026: Das Jahr, in dem die Energiewende ernst wird – und was das für unseren Tank bedeutet
Diesel kostet aktuell 2,31 Euro im Schnitt. E10 liegt bei 2,08 Euro. Doch hinter diesen Zahlen steckt mehr als die tägliche Preisschwankung: Die Bundesregierung stellt gerade die Weichen für unsere Energieversorgung komplett neu. Stichwort: EEG-Novelle 2026.
Das betrifft nicht nur Solarpanels und Windräder. Das betrifft uns alle – jeden, der Strom braucht oder Benzin tankt. Wer sehen will, was wir aktuell an der Zapfsäule zahlen: der Preisüberblick zeigt die bundesweiten Durchschnitte.
Das Damoklesschwert über der Energiewende: Das EEG läuft aus
Die Beihilfegenehmigung für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) läuft Ende 2026 aus. Ohne neue Genehmigung fallen sämtliche Förderungen für Windräder, Solarparks und Biogasanlagen weg. Für die Branche ist das so, als würden ab übermorgen keine Kredite mehr vergeben — viele Investitionen stehen auf der Kippe.
Deshalb muss bis Ende 2026 eine komplett neue EEG-Novelle stehen. Eine Mammutaufgabe. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat den Kabinettsbeschluss dafür schon für das erste Quartal 2026 angepeilt. Das ist sportlich. Sehr sportlich.
Was da auf uns zukommt? Kurz gesagt: Mehr Marktwirtschaft, weniger garantierte Subventionen. Das klingt erstmal gut, aber es birgt auch Risiken. Geplant sind Kürzungen bei der Solarförderung, die Einführung von sogenannten Differenzverträgen (CfD) – ein kompliziertes System, das Preise stabilisieren soll, aber auch neue Unsicherheiten schafft – und Abschöpfungsmechanismen. Damit will man EU-Vorgaben erfüllen, aber die Branche schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
Die Kraftwerksstrategie: Backup für die Sonne und den Wind
Gleichzeitig hat die Bundesregierung im Januar 2026 ihre Kraftwerksstrategie mit der EU abgestimmt. Wir brauchen Backup-Kraftwerke für Zeiten, in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint — Erneuerbare allein können die Versorgungssicherheit noch nicht garantieren.
Deshalb soll der Bau von "wasserstofffähigen" Kraftwerken gefördert werden. Diese sollen zunächst mit Erdgas laufen, aber später auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Der Haken: Bis die Wasserstoff-Infrastruktur steht, verbrennen wir weiterhin Gas.
Staatssekretär Frank Wetzel vom BMWE sagt dazu: "Die Kraftwerksstrategie sichert den Zubau der erneuerbaren Energien ab. Das ist kein Gegensatz, das sind zwei Seiten derselben Medaille." Das stimmt — wir brauchen beides. Die Frage bleibt aber, ob fossile Brückenlösungen den Umbau nicht unnötig verlangsamen.
Spritpreise: Eine seltsame Ruhe vor dem Sturm?
Während im Hintergrund die Weichen für die Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte gestellt werden, herrscht an der Zapfsäule eine fast schon unheimliche Ruhe. Laut unseren Daten vom 23. März 2026 ist der Diesel-Durchschnitt bundesweit in den letzten sieben Tagen nur um magere 0,2 Cent gestiegen und liegt aktuell bei 2,31 Euro. E10 und E5 sind sogar unverändert geblieben.
Diese Stabilität ist trügerisch. Es ist, als würden wir auf den Wellen reiten, während unter der Oberfläche ein Tsunami heranzieht. Denn wenn die Energiewende stockt oder falsch gesteuert wird, hat das am Ende auch Auswirkungen auf die Produktionskosten, die Transportkosten und damit auf jeden Preis. Auch auf den Spritpreis.
Wo tanken wir aktuell am günstigsten? Laut unseren Daten vom 23. März 2026 ist das Saarland derzeit am attraktivsten für E10-Fahrer mit einem Durchschnitt von 2,05 Euro. In Schleswig-Holstein kostet E10 dagegen im Schnitt 2,12 Euro — sieben Cent Unterschied. Das zeigt: Auch wenn sich energiepolitisch viel bewegt, lohnt sich der Preisvergleich in der eigenen Stadt weiterhin. Ein Blick auf den Bundesländer-Vergleich kann sich ebenfalls auszahlen.
Die Kritik der Branche: Willenserklärung statt Verpflichtung?
Die Branche ist alarmiert. Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), sagt: "Das EEG war und ist das Fundament der Energiewende." Wer an diesem Fundament rüttelt, riskiert ernsthafte Konsequenzen.
Die Kritik der Verbände ist deutlich: Die Regierung plant, feste Mengenpfade für den Ausbau der Erneuerbaren zu streichen. Ohne Monitoring, das zeigt, ob wir auf Kurs sind. Der BDEW bringt es auf den Punkt: "Ohne Mengenpfad und ohne Monitoring wird das 80-Prozent-Ziel von einer gesetzlichen Verpflichtung zu einer bloßen Willenserklärung."
Ein berechtigter Einwand. Ohne klare Zwischenziele bleibt das 80-Prozent-Ziel ein Wunsch. Gleichzeitig Investitionsanreize kürzen und auf Marktmechanismen hoffen — das passt nicht zusammen. Wie unterschiedlich die Energiepolitik sich regional auswirkt, zeigt ein Blick auf die Spritpreise in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Rest.
Was bedeutet das für unseren Geldbeutel?
Für uns als Autofahrer mit Verbrenner sind die direkten Auswirkungen zunächst begrenzt. Die Preisvolatilität an der Zapfsäule hängt weiterhin stark von Rohöl, Raffinerien und Geopolitik ab. Bei den Strompreisen sieht es anders aus.
Wer ein E-Auto fährt oder eine PV-Anlage auf dem Dach hat, sollte aufmerksam sein: Die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen wurde ab Februar 2026 erneut um 1 Prozent gesenkt. Neue Anlagen ab 7 kW müssen zudem fernsteuerbar sein und Smart-Meter haben. Einzeln betrachtet Kleinigkeiten — in Summe Kosten, die sich bemerkbar machen.
Langfristig zielen die Reformen auf stabilere Strompreise ab. Flexibilisierung, Netzausbau, weniger negative Preise — das soll Strom günstiger machen. Günstigerer Strom für Unternehmen bedeutet geringere Produktionskosten, die sich am Ende auch auf andere Preise auswirken. Allerdings ist das ein großes "wenn".
Fazit: Auf dem Weg zum Strompreis-Roulette?
Die Ambition ist da, das Ziel ist klar. Aber die Art und Weise, wie die Bundesregierung die EEG-Novelle und die Kraftwerksstrategie angeht, birgt Risiken. Investitionsanreize kappen und gleichzeitig auf fossile Übergangslösungen setzen — das könnte die Energiewende unnötig verlangsamen.
Das Ergebnis könnte ein Strompreis-Roulette werden, bei dem wir als Verbraucher am Ende die Zeche zahlen. Und wenn die Strompreise steigen, steigen früher oder später auch die Preise für alles andere — inklusive unserer Tankrechnung.
Die kommenden Monate werden entscheidend. Wir bei SpritFuchs beobachten die Entwicklung genau, denn was in Berlin entschieden wird, landet früher oder später an unserer Zapfsäule. Den aktuellen Preisüberblick gibt es hier.
Datenstand: 23. März 2026, Quelle: SpritFuchs/MTS-KDatenstand: 23. März 2026. Preisdaten: SpritFuchs / MTS-K (Bundeskartellamt).